Neues über Falun Dafa und die Menschenrechtssituation in China
Falun Dafa Informationszentrum

Aus der Haft entlassen und doch nicht frei

Pressemitteilung: 12.04.2004

Deutsche Freunde wollen Frau Xiong Wei nach Deutschland holen - Bundeskanzler und Außenminister um Hilfe gebeten

Am 04. Januar 2004 wurde Frau Xiong Wei nach zwei Jahren Haft im Pekinger Frauenarbeitslager in Daxing (früher Xinan - Frauenarbeitslager) entlassen. Sie war am 05. Januar 2002 beim Verteilen von Informationsmaterial über die Verfolgung von Falun Gong in China von der Pekinger Polizei verhaftet worden. Anschließend wurde sie unrechtmäßig und ohne Gerichtsverfahren zu einer zweijährigen Haft im Arbeitslager, der sogenannten "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt. Frau Xiong Wei, 32 Jahre alt, ist eine ehemalige Studentin der TU-Berlin und Absolventin einer Ausbildung als Assistentin für China-Geschäfte beim Bildungszentrum am Müggelsee GmbH in Berlin, sowie ehemalige Mitarbeiterin der Niederlassung des deutschen Unternehmens Buderus AG in Peking. Um ihr die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen, bitten ihre deutschen Freunde den Bundeskanzler und den Außenminister um Hilfe.

Ihre fristgemäße Entlassung ist nicht selbstverständlich für Falun Gong-Praktizierende und ist der öffentlichen Aufmerksamkeit zu verdanken, den ihr Fall bei der deutschen Bundesregierung, in den Medien und auch international erhielt.

Sofort nach ihrer Verhaftung hatten sich Falun Gong-Praktizierende in Deutschland, Freunde von Xiong Wei (http://www.friends-of-xiongwei.de/), sowie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (http://www.igfm.de) sehr aktiv für ihre Freilassung eingesetzt und die deutsche Bundesregierung um Hilfe gebeten. Ihr Name wurde daraufhin in eine Liste der deutschen Regierung aufgenommen, die Bundeskanzler Gerhard Schröder im April 2002 während des Staatsbesuchs des ehemaligen chinesischen Staatspräsidenten in Deutschland übergeben hat. (/2004/09/30/xiong-wei-endlich-in-freiheit) Außerdem wurde ihr Fall auch in dem Bericht (G/SO 214 56-15) vom 28. März 2002 von Herrn Abdelfattah Amor, Sonderberichterstatter der UN-Menschenrechtskommission über Freiheit von Religion oder Glauben, an die chinesische Regierung dokumentiert und eine Antwort erbeten.

Vier von acht dokumentierten Fällen endeten mit dem Tod

Zu dem Bericht von Herrn Abdelfattah Amor nahm China bezüglich Xiong Wei wie folgt Stellung: "In its work, the Beijing women's labour re-education facility strictly abides by the principles that inmates should be re-educated, guided by persuasion and thus reformed. The management methods that it applies are legal, civilized and scientific and no form of corporal punishment or ill-treatment is ever used against those undergoing labour re-education." Von den acht in der Antwort dokumentierten Fällen von Falun Gong-Praktizierenden sind nur noch vier am Leben. (Text hier)

Was bedeutet "Umerziehung" tatsächlich in China?

Diese Art der Gehirnwäsche, in China "Umerziehung" genannt, ist für westliche Bürger vielleicht schwer zu begreifen. Es ist eine drastische psychologische Methode, die von der kommunistischen Partei entwickelt und in den heftigen politischen Kampagnen, die im Verlauf der vergangenen fünfzig Jahre über China hinweggefegt sind, mehr und mehr perfektioniert wurde. Sie schließt Gewalt und Folter ein, Schlafentzug, Beschimpfungen, Demütigungen, Zwangsarbeit und das Anschauen von Propagandamaterial wie Videos mit Lügen und Diffamierungen über Falun Gong ein. Es ist ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit, bei dem der Wille der betreffenden Person gebrochen und sein Denken, seine Ideale komplett durch die Ideologie der kommunistischen Machthaber ersetzt werden soll, es ist eben "Gedankenzertrümmern". Es ist eine der grundlegenden Methoden, durch die Chinas ehemaliger Führer Jiang Zemin die "Zerstörung von Falun Gong" erreichen will.
(/2003/11/17/tagliche-gehirnwasche-als-psychische-folter-quot-gedankenzertrummern-quot-chinas-infame-taktik-auch-fur-auslandische-staatsburger)

Ständige Überwachung belastet die ganze Familie

Sofort nach ihrer Freilassung wurde Xiong Wei, nach zuverlässiger Information, wiederholt von der Polizei sowie von Agenten des "Büro 610", ein gezielt für die Verfolgung von Falun Gong eingerichtetes politisches Organ, gefragt, ob sie ins Ausland fahren will. Sie und die Familie werden überwacht und kontrolliert, Telefon und E-Mails werden ausspioniert. Die Sorge, dass sie erneut willkürlich verhaftet werden könnte, belastet das tägliche Leben der ganzen Familie.

Bundeskanzler und Außenminister um Hilfe gebeten, um Frau Xiong Wei zurück zu holen

Erneut wenden sich nun Xiong Weis Freunde und Organisationen an die Bundesregierung, um sie sicher nach Deutschland zurück zu holen. Sie erinnern dabei an die Worte des berühmtesten chinesischen Dissidenten Harry Wu: "Als ich nach 19 Jahren aus der Hölle der Lao Gai (=chinesisches Arbeitslager) entlassen wurde, hatte ich nur einen kleinen Käfig gegen einen größeren Käfig eingetauscht. Erst als mir erlaubt wurde meine Verwandten in San Francisco zu besuchen und ich die Zollkontrolle durchquert hatte, fiel ich weinend auf die Knie und wusste: ich war frei!" (http://www.laogai.org) Diese Freiheit wünschen sie auch für Frau Xiong Wei.

Dazu Renate Lilge-Stodieck vom Falun Gong Informationszentrum: "Ich habe Xiong Wei aus ihrer Zeit in Berlin in sehr guter und liebevoller Erinnerung; mit mir wären viele froh, wenn wir sie wieder unter uns hätten und sie keinen Gefahren in China mehr ausgesetzt ist. Deshalb haben wir sie nach Berlin eingeladen. Wir sind alle sicher, dass diese bösartige Verfolgung eines nicht so fernen Tages zusammenbricht, aber bis dahin brauchen die chinesischen Praktizierenden viel Beistand aus aller Welt. Wir danken den Zehntausenden, die bisher schon mit Unterschriften, Petitionen, Postkartenaktionen und Berichten ihre Unterstützung ausgedrückt haben. Wir bitten die Bundesregierung noch einmal von Herzen, sich für die Sicherheit und die Reise nach Deutschland von Frau Xiong Wei einzusetzen."