Dringender Aufruf: 61jährige Frau aus Tianjin im Arbeitslager, weil sie Falun Gong-Flugblätter verteilte – ihr droht jetzt schwere Folter15 weitere Falun Gong praktizierende Frauen ins Arbeitslager deportiert und schwerer Folter ausgesetzt

09.03.2009Verhaftungen

New York/Berlin (FDI) - Pressemitteilung 08.März 2009 - Eine Einwohnerin der Stadt Tianjin wird seit Anfang Februar 2009 im Arbeitslager festgehalten, weil sie Falun Gong-Flugblätter verteilte. Sie ist eine von 15 örtlichen Praktizierenden, die in den letzten Monaten inhaftiert wurden und der ernsthaften Gefahr ausgesetzt sind, schwere Folter zu erleiden.

Frau Zhu Lijin, eine 61jährige pensionierte Regierungsangestellte und Mutter einer Neuseeländerin, wurde auf den Straßen von Tianjin am 1. Februar 2009 verhaftet, als sie an Passanten Informationsmaterial über Falun Gong verteilte. Sicherheitsbeamte durchsuchten anschließend ohne gültigen Gerichtsbeschluss ihre Wohnung und beschlagnahmten ihre Computerausstattung und Falun Gong-Literatur. Erst knapp zwei Wochen später, am 16. Februar, wurde ihre Familie informiert, dass sie ohne Rechtsverfahren zu einem Jahr und drei Monaten im Arbeitslager interniert bleibt. Zurzeit wird sie im Umerziehungsarbeitslager für Frauen in Banqiao festgehalten.

„Wie kann eine über 60jährige Frau, die Flugblätter verteilt, als solch eine Bedrohung für die chinesische kommunistische Partei angesehen werden? Meine Mutter ist keine Kriminelle und hat nichts Schlechtes getan." sagt Zhus Tochter Salina (Yu) Wang, die seit kurzem in New York lebt. „Sie hat das Recht ihrem Glauben zu folgen und das Recht den Menschen die Wahrheit über Falun Gong zu sagen. Dies sind grundlegende Menschenrechte, die durch Chinas Verfassung und internationales Recht garantiert sind."

Dies ist das erste Mal, dass Zhu verhaftet wurde, seit sie im Jahr 2005 anfing, Falun Gong zu praktizieren. Nach ihrer Verhaftung wurde ihrer Familie anfangs verboten, sie zu sehen. Wie berichtet wird, ist sie körperlich noch bei guter Gesundheit, wird aber bereits unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleumden und sie hat sich über die unzureichende Ernährung im Lager beklagt. Sollte sie ihrem Glauben verbunden bleiben, könnten solche Umerziehungsversuche schnell zu schlimmer Folter werden. Wie ein chinesischer Regierungsberater der Washington Post erzählte, „verlassen Praktizierende, die nicht geschlagen werden, im allgemeinen die Gruppe nicht." (Artikel: http://www.faluninfo.net/article/566/)

Vor allem frühere Gefangene des Umerziehungslagers in Banqiao berichteten von einer Reihe von Foltermethoden, die Praktizierende dazu bringen sollen, ihren Glauben zu widerrufen. Dazu zählen Elektroschocks, Einzelhaft, sexuelle Übergriffe und das Spritzen von unbekannten Psychodrogen. Die Arbeitslagerbehörden sind auch bekannt dafür, dass sie Häftlinge extrem lange arbeiten lassen, beispielsweise für die Herstellung von Regenmänteln für den Export nach Korea oder das Sortieren von getrockneten Bohnen. Dies hat bei mehreren dort inhaftierten Praktizierenden zu anhaltender psychischer und körperlicher Invalidität geführt. Mindestens zwei Personen wurden zu Tode gefoltert. (http://www.falunhr.org/index.php?option=content&task=view&id=556)

Im November 2008 berichteten Familienangehörige von Frau Gong Hui, die in diesem Lager inhaftiert war, dass sie nach langer Zeit der Misshandlung und Einzelhaft fast zu Tode gefoltert worden wäre. Sie war nach ihrer dreimonatigen Haft stark abgemagert. Gong wurde am 13. August, während der Olympischen Spiele, verhaftet und ins Gefängnis gebracht und kam im September ins Arbeitslager, nachdem 15 Monate Haft über sie verhängt worden war. „Es ist höchste Zeit sich für Zhu Lijin einzusetzen", sagt der Sprecher des Falun Dafa-Informationszentrums Erping Zhang. „Die internationale Gemeinschaft darf nicht warten, bis Nachrichten von ihrer Folterung oder Schlimmeres aus China herausdringen, bevor etwas unternommen wird."

Die umfassende Verfolgung und Inhaftierung von Falun Gong-Praktizierenden sind kein Einzelfall, sondern vielmehr Teil einer eskalierten Kampagne gegen Falun Gong-Praktizierende in der Stadt Tianjin wie auch im ganzen Land, die im Vorfeld der Olympischen Spiele begann und bis heute, wenige Monate vor dem zehnten Jahrestag der Verfolgung, andauert. Dem Falun Dafa-Informationszentrum wurde berichtet, dass mindestens 15 weitere weibliche Praktizierende in dieser Stadt seit April 2008 im Arbeitslager in Banqiao interniert wurden, die meisten zwischen 12 und 18 Monaten. Die tatsächliche Anzahl dürfte höher liegen, und Einwohner von Tianjin, die in anderen Lagern und Gefängnissen der Stadt inhaftiert wurden, sind noch nicht in diese Zahl einbezogen.

„Wenn allein in ein Lager nur einer Stadt bereits 15 Praktizierende gebracht wurden und man das mit den annähernd 300 Lagern im ganzen Land multipliziert, kommen wir auf mindestens 4.000 Falun Gong-Praktizierende, die im letzten Jahr in ein Arbeitslager deportiert wurden", sagt Zhang. „Daher verwundert es nicht, dass aus jüngsten Interviews der Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD) mit früheren Häftlingen hervorgeht, dass Falun Gong-Praktizierende einen sehr großen Anteil dieser Lagerinsassen ausmachen." In einer von CHRD Anfang Februar veröffentlichten Studie heißt es: „Mehr als die Hälfte der 13 Interviewteilnehmer erwähnte die Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden in Umerziehungslagern. Sie sagten, Falun Gong-Praktizierende seien eine der größten Gruppen im Lager." (Vollständiger Bericht vom 4.Februar 2009: http://docs.law.gwu.edu/facweb/dclarke/public/CHRD_RTL_Report.pdf )


Das Falun Dafa-Informationszentrum veröffentlicht folgenden Aufruf:

  • Internationale Medien und Menschenrechtsgruppen müssen den Fall von Zhu Lijin sowie die andauernde Kampagne, über Falun Dafa-Praktizierende mehrjährige Gefängnis- oder Arbeitslagerstrafen zu verhängen, untersuchen. 
  • Ausländische Regierungsvertreter, insbesondere aus Tianjins Partnerstädten Nürnberg, Mailand und Lodz sollten ihre Kollegen in Tianjin drängen, Zhu Lijin sofort und bedingungslos freizulassen.
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