China im Jahr 2009: Fast 100 Falun Gong-Praktizierende getötetPRESSEMITTEILUNG 14. Februar 2010

14.02.2010Folter

Berlin/New York (FDI) - Laut einem Anfang Februar veröffentlichten Bericht des Falun Dafa-Informationszentrums sterben bis heute viele chinesische Falun Gong-Praktizierende in Haft. Sie verlieren ihr Leben aufgrund brutaler Misshandlungen auf Polizeirevieren, in Arbeitslagern und Gefängnissen in ganz China.

Der 46-seitige Bericht mit dem Titel „Killed for Their Belief: Falun Gong Deaths from Abuse in 2009“ (Getötet wegen ihres Glaubens: Falun Gong-Todesfälle infolge von Misshandlungen im Jahr 2009), der sich auf chinesische und internationale Quellen stützt, dokumentiert den Tod von 96 Falun Gong-Praktizierenden im Jahr 2009 (Liste). Aufgrund häufiger Verzögerungen bei der Berichterstattung aus China wird sich vermutlich diese Zahl in den kommenden Wochen noch erhöhen.

 „Die wichtigste Feststellung dieses Berichts - dass 96 unschuldige Menschen, die vor einem Jahr noch am Leben waren, jetzt tot sind, weil sie sich für einen spirituellen Glauben entschieden hatten - verdeutlicht die tödliche Gefahr für jeden Falun Gong-Praktizierenden in China“, sagt Levi Browde, Leiter des Falun Dafa-Informationszentrums in New York. „Wir müssen dabei auch bedenken, dass dies nur die Fälle sind, in denen Angehörige oder Freunde mutig genug waren, uns davon zu erzählen und die wir nachprüfen konnten ... die tatsächliche Anzahl der Todesfälle liegt wahrscheinlich um ein Vielfaches höher.“

Browde sagt weiter: „Außerdem machen die Einzelheiten in diesen Fällen deutlich, dass diese Todesfälle nicht das Ergebnis von willkürlicher Misshandlung durch unberechenbare örtliche Beamte waren. Vielmehr sind sie das direkte Resultat von Anordnungen der KP-Führer, damit jedes mögliche Mittel angewendet wird, um ein Glaubenssystem, das von Millionen praktiziert wird, auszulöschen. Die Verantwortlichen - auf jeder Ebene des Parteiapparats - müssen vor Gericht gestellt werden.“

Die in dem Bericht erwähnten Opfer kommen aus allen Altersgruppen, Gesellschaftsschichten und geographischen Regionen. Die allermeisten von ihnen starben aufgrund körperlicher und psychischer Folterungen oder weil ihnen ärztliche Behandlung in Haft verweigert wurde. Viele wurden bereits innerhalb von Tagen oder sogar von Stunden nach ihrer Festnahme getötet. In einem besonders schlimmen Fall im April 2009 entführte die Polizei eine 39-jährige Frau aus ihrer Wohnung in Peking. Sie starb noch am Abend ihrer Inhaftierung; Berichten zufolge wurde sie mit Elektrostöcken brutal gefoltert (der Fall von Frau Sun Min).

In anderen Fällen wurden Praktizierende, die bereits im Sterben lagen, nach Hause entlassen, um kurze Zeit später dort zu sterben. Entlassungen in letzter Minute und schnelle Einäscherungen sind gängige Praxis der chinesischen Behörden, um zu vermeiden, dass die Gefangenen in der Haft sterben und sie dafür die Verantwortung übernehmen müssen.

Unter den 96 Opfern befinden sich Bauern und Unternehmer, pensionierte Fabrikarbeiter und Büroangestellte sowie Hausfrauen und Ärzte. Viele von ihnen waren zuvor unrechtmäßig in Arbeits- oder Gefangenenlagern inhaftiert, weil sie Falun Gong praktizierten. Wie bereits in früheren Jahren gab es in Nordostchina die meisten Todesfälle.

Browde betont: „Die Brutalität dieser Morde, die fehlende Strafverfolgung dieser Fälle und ihr landesweites Vorkommen lassen ernsthafte Sorgen über die weiteren gesellschaftlichen Auswirkungen solcher Verbrechen aufkommen. Es gibt kaum eine Garantie, dass diejenigen, die heute Falun Gong-Praktizierende misshandeln, anderen Bürgern morgen nicht das Gleiche antun.“

Die in dem Bericht erwähnten Fälle und Einzelheiten wurden aus einer Vielzahl von Quellen zusammengetragen, zu denen auch die Zeugenaussagen von Verwandten oder Freunden der Verstorbenen, Fotos und Telefonanrufe bei den zuständigen Polizei- oder Gefängnisbehörden zählen. Fotos sind vor allem dann verfügbar, wenn Praktizierende kurz vor ihrem Tod aus der Haft entlassen wurden, wobei sie in vielen Fällen abgemagert waren und Spuren von Folterungen aufwiesen (der Fall von Herrn Zhu Hongbing).

Manche Fälle stützen sich auf Berichterstattungen im Verlauf des Jahres durch internationale Medien, durch die Vereinten Nationen und durch Menschenrechtsgruppen. Im Juni 2009 berichtete die Financial Times über Herrn Fu Ziming, der innerhalb von wenigen Tagen in Haft getötet wurde. Er hatte während eines Ausflugs mit Kreide auf einen Fels geschrieben „Falun Dafa ist gut“ (Fall). Der Tod des 66-jährigen Herrn Jiang Xiqing in einem Arbeitslager in Chongqing erregte große Aufmerksamkeit bei Menschenrechtsgruppen, nachdem die Rechtsanwälte, die seinen Tod untersucht hatten, selbst von der Polizei inhaftiert und geschlagen wurden (Fall).

„Getötet wegen ihres Glaubens“ enthält auch 16 jüngere Falun Gong-Todesfälle aufgrund von Misshandlungen in Haft, wie der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen  über außergerichtliche Exekutionen in seinem im Mai 2009 veröffentlichten Jahresbericht feststellt.

Insgesamt hat das Falun Dafa-Informationszentrum seit 1999 den Tod von 3.352 Falun Gong-Praktizierenden infolge verschiedener Formen von Verfolgung aufgezeichnet. Angesichts enormer Anstrengungen durch die Kommunistische Partei Chinas, eine Untersuchung der Todesfälle von Falun Gong-Praktizierenden zu verhindern, wird davon ausgegangen, dass die tatsächliche Todesrate für 2009 und auch insgesamt deutlich höher liegt als die Dokumentation des  Informationszentrums darlegt.

Wichtige zusätzliche Feststellungen

Eine Untersuchung der Einzelheiten zu den Fällen aus dem Jahr 2009 weist folgende Muster auf:

  • Vierzehn Praktizierende starben innerhalb von zwei Monaten seit ihrer letzten Verhaftung
    Diese Praktizierenden - darunter Personen im Alter von 30  bis 40 Jahren - starben innerhalb von Wochen, Tagen oder sogar Stunden, nachdem sie in Untersuchungshaft kamen. Häufig waren sie zuvor zuhause, an ihren Arbeitsplätzen oder auf der Straße entführt worden.
  • Über ein Drittel der Todesfälle ereignete sich unter Behördenaufsicht
    In 33 dieser 96 Fälle starb das Opfer unter Gewahrsam der chinesischen Behörden, entweder in einem Gefängnis, Arbeitslager, „Gehirnwäsche“-Zentrum oder im Untersuchungsgefängnis. In einigen Fällen konnten die Familienmitglieder die Körper der Praktizierenden sehen und berichteten von sichtbaren Folter-Spuren.
  • Viele starben kurz nach ihrer Entlassung aufgrund von Folterungen während der Haft
    Die Behörden entlassen routinemäßig Falun Gong-Praktizierende, wenn sie dem Tode nahe sind um zu vermeiden, dass sie dafür haftbar gemacht werden könnten, wenn sie im Gefängnis sterben. Die Praktizierenden sterben je nach Gesundheitszustand normalerweise innerhalb von Tagen oder Monaten, da es  für eine erfolgreiche medizinische Behandlung oder die Wiederaufnahme der Falun Gong-Übungen zu spät ist.
  • Verweigerung des Rechts auf medizinische Versorgung führte zu über 20 Todesfällen
    Die Mehrheit der Falun Gong-Praktizierenden berichtet davon, dass sich ihr Gesundheitszustand durch das Praktizieren von Falun Gong deutlich verbessert hatte. Bei vielen von ihnen, denen es im Arbeitslager nicht erlaubt wird zu praktizieren, kehren die alten Leiden oder Immunsystemschwächen wieder zurück, was sie für Krankheiten wie Tuberkulose anfällig macht. 21 Todesfälle im Jahr 2009 konnten auf die Wiederkehr alter Krankheiten oder das Auftreten zusätzlicher neuer Krankheiten zurückgeführt werden, wenn diesen Personen ärztliche Hilfe verweigert oder ihnen verboten wurde, die Falun Gong-Übungen zu praktizieren.
  • Behörden versuchen beharrlich Falun Gong-Todesfälle zu vertuschen
    Die Behörden betreiben oft großen Aufwand, um die Todesumstände der Falun Gong-Praktizierenden zu vertuschen und Untersuchungen in dieser Sache zu behindern, wobei sie sowohl gegen chinesisches als auch internationales Recht verstoßen. Zu den Taktiken, die 2009 festgestellt wurden, zählen: Bedrohung der Familienmitglieder, damit sie den Tod ihrer Angehörigen nicht an die Öffentlichkeit bringen; die Nötigung der Verwandten, einer Einäscherung zuzustimmen, damit Beweise der Misshandlung zerstört werden; Inhaftierung von Familienmitgliedern, die Informationen oder Schadenersatz fordern; „Diebstahl" der Leiche aus dem Kreis der Familie sowie Verprügeln der Anwälte, die versuchen Untersuchungen durchzuführen.
  • Todesfälle in 24 Provinzen, aber der Nordosten bleibt die tödlichste Region
    In 24 von Chinas 31 Provinzen, einschließlich der Inneren Mongolei und Xinjiang, wurden Todesfälle verzeichnet. Die bei weitem häufigsten Todesfälle gab es jedoch im Nordosten des Landes. Allein in den vier Provinzen Heilongjiang, Liaoning, Jilin und Shandong wurden 42 der 96 Todesfälle verzeichnet. Dies entspricht der Tendenz der vergangenen Jahre und korreliert mit der Beliebtheit von Falun Gong in dieser Region, bevor es 1999 verboten wurde.

 

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