Vier weitere Falun Gong-Todesfälle durch Folter im September berichtet

24.10.2011Todesfälle

Berlin / New York (FDI) – Mindestens vier weitere Falun Gong-Praktizierende starben infolge von Misshandlungen zwischen August und September 2011. Zwei der Opfer starben in der Haft, darunter eine Frau, die innerhalb von nur zehn Tagen getötet wurde, nachdem sie entführt und in ein Gehirnwäsche-Zentrum gebracht worden war. Bei einem weiteren Opfer handelt es sich um eine 24-jährige Frau; sie starb nach über einem Jahr Misshandlungen in der Haft. Die Anzahl der seit Januar 2011 dokumentierten Todesfälle erhöht sich damit auf 53.

Es folgt eine Liste der bekannt gewordenen Opfer. Die tatsächliche Anzahl der Todesopfer liegt vermutlich um ein Vielfaches höher.

  • Frau Wang Mingrong, 53, aus Sichuan, war früher Oberschwester in einem Krankenhaus in Chengdu. Sie war Anfang September entführt und in das Gehirnwäsche-Zentrum Xinjin gebracht worden. Zehn Tage später, am 17. September 2011, wurde ihre Familie über ihren Tod informiert; ein Zeuge berichtet von Blutergüssen auf ihrem Körper.
  • Frau Wang Yujie, 24, aus Hubei, starb am 3. September 2011, nachdem sie seit über einem Jahr in einem Arbeitslager und Gehirnwäsche-Zentrum in der Region Wuhan schwer gefoltert worden ist.
  • Herr Fan Zhenguo, 50, war Leiter eines Altenheimes in Liaoning. Nachdem er im Juli 2008 entführt und rechtswidrig für einen Zeitraum von acht Jahren ins Panjin Gefängnis gebracht worden war, starb er in der Haft am 11. September 2011.
  • Frau Xie Zhiying, 52, war Mitarbeiterin eines Steuerbüros in Xinjiang. Nachdem sie in psychiatrischen Kliniken und einem Arbeitslager fünf Jahre lang misshandelt worden ist, wurde sie im Jahr 2004 unter strengen Hausarrest und polizeiliche Überwachung gestellt. Seitdem wurden ihr so gut wie keine Besuche von Angehörigen und Freunden gewährt. Sie starb am 6. August 2011 unter ungeklärten Umständen.

Frau Wang Mingrong, 53, Sichuan

Name: Wang Mingrong (王明蓉)
Geschlecht: Weiblich
Alter: 53
Adresse: Provence Residential Area, 6 Shuyue Straße, Chadianzi, Bezirk Jinniu, Chengdu, Provinz Sichuan
Beruf: früher Oberschwester im Kangfu Hospital in der Stadt Chengdu
Jüngste Verhaftung: 7. September 2011
Jüngste Entlassung: Verstorben in der Haft
Verstorben am: 17. September 2011
Provinz: Sichuan
Stadt: Chengdu
Zuletzt inhaftiert in: Gehirnwäschezentrum Xinjin (新津洗脑班)


Einzelheiten zu dem Fall:

Frau Wang Mingrong

Am 7. September 2011 verhaftet, starb Frau Wang Mingrong an den schweren körperlichen Misshandlungen nur 10 Tage später, am 17. September. Sie starb im Gehirnwäsche-Zentrum Xinjin, (euphemistisch als Zentrum für Rechtserziehung der Stadt Chengdu bezeichnet), eine Institution die dafür bekannt ist, dass sie Psychopharmaka ins Essen mischt, die das zentrale Nervensystem schwer schädigen.

Agenten des Büros 610 aus dem Bezirk Jinniu haben die Angehörigen von Wang Mingrong stark unter Druck gesetzt, damit sie die Nachricht über ihren Tod und den erlittenen Misshandlungen geheim halten. Ein Zeuge berichtete, dass obwohl Wang in Hungerstreik getreten war, sie heftig geschlagen und zwangsernährt wurde. Ein weiterer Augenzeuge berichtete, dass ihr Körper zum Zeitpunkt des Todes mit Prellungen übersät war. Sie wurde am 23. September eingeäschert.

Es ist bekannt, dass mindestens vier weitere Falun Gong-Praktizierende im Gehirnwäschezentrum Xinjin gestorben sind und drei weitere einen geistigen Zusammenbruch erlitten haben.

Frau Wang Yujie, 24, Hubei

Name: Wang Yujie (王玉洁)
Geschlecht: Weiblich
Alter: 24
Jüngste Verhaftung: 11. März 2010
Jüngste Entlassung: Mai 2011
Verstorben am: 3. September 2011
Stadt: Wuhan
Provinz: Hubei
Zuletzt inhaftiert in: Gerhirnwäschezentrum Hubei (湖北省洗脑班)

Einzelheiten zu dem Fall

Foto: Wang Yujie vor ihrer Verhaftung

Frau Wang Yujie wurde am 11. März 2010 für das Versenden eines Flyers mit Informationen über die Verfolgung von Falun Gong im Haftzentrum Wuhan Nr. 1 eingesperrt. Nach mehr als einem Jahr Folter und gewaltsamen Bemühungen von ihrem Glauben abzubringen, starb sie am 3. September 2011 im Alter von 24 Jahren. Sie hatte Falun Gong im Jahr 2006 gelernt, als sie auf Arbeitssuche in Wuhan war.

Nach 15 Tagen Gefangenschaft im Haftzentrum Wuhan im Jahr 2010, hat das Büro 610 in Jianghan Wang Yujie ohne Rechtsverfahren zu einem Jahr Haft im Zwangsarbeitslager Hewan verurteilt. Dort zwangen sie drogenabhängige Insassen jeden Tag sich hinzukauern, entzogen ihr den Schlaf und schlug sie. Sie drohten ihr: „Wenn du nicht in zwei Wochen umerzogen bist, werden wir dich an Handschellen aufhängen".

Wang Yujie wurde am 11. März 2011 frei gelassen, aber innerhalb weniger Stunden erneut festgenommen und ins Gehirnwäsche-Zentrum der Provinz Hubei gebracht. Dort wurde sie so schwer gefoltert, dass sie nicht mehr gehen konnte. Die Wärter wollten sie auch dazu zwingen, eine andere Art Qigong zu üben.

Zwei Monate später wurde Wang Yujie entlassen. Sie hatte unerträgliche Schmerzen im Kopf, Nacken und in den Beinen, schwitzte stark und erbrach sich häufig. Ihre Familie brachte sie schließlich ins Krankenhaus, wo sie Injektionen erhielt, die bei ihr Krämpfe auslösten. Ohne auf die medizinische Behandlung anzusprechen, starb sie am Morgen des 3. September 2011.



Herr Fan Zhenguo, 50, Liaoning

Name: Fan Zhenguo (范振国)
Geschlecht: Männlich
Alter: 50
Beruf: Leiter eines Altenheims
Jüngste Verhaftung: 29. Juli 2008
Jüngste Entlassung: Verstorben in Haft
Verstorben am: 11. September 2011
Stadt: Lingyuan
Stadtbezirk: Tianshenghao
Provinz: Liaoning
Zuletzt inhaftiert in: Panjin Gefängnis (盘锦监狱)


Einzelheiten zu dem Fall:

Foto: Fan Zhenguo vor seiner letzten Entführung. Das Gefängnis teilte seiner Frau per SMS mit, dass er am 11. September 2011 verstorben ist.

Fan Zhenguo (范振国) wurde im Juli 2008 entführt, nachdem er beobachtet worden war, wie er zusammen mit anderen Praktizierenden Infomaterialien über Menschenrechtsverletzungen an Falun Gong-Praktizierenden im Landkreis Kazuo verteilte. Der Leiter der örtlichen Polizeistation und ein weiterer Beamter zwangen die Praktizierenden – mit Gewehren und elektrischen Schlagstöcken bewaffnet – die Autotür zu öffnen, durchsuchten dieses und verhafteten die Anwesenden, nachdem sie Material mit Bezug zu Falun Gong gefunden hatten. Fan konnte zwar fliehen, er wurde aber später von der Polizei in seinem Haus entführt und anschließend ohne Gerichtsverfahren zu acht Jahren Haft verurteilt. Nach drei Jahren Folter starb er am 11. September 2011.

Fan war früher bereits mehrmals aufgrund seines Glaubens inhaftiert worden. Berichten aus China zufolge wurden während seiner letzten Haft Elektroschocks eingesetzt und der 50-Jährige verlor mehrere Male das Bewusstsein.

Am 11. September brachten Beamte des Panjin Gefängnisses Fan Zhenguo überstürzt in das Krankenhaus Nr. 2 in Lingyuan, nachdem er aufgrund von Schlägen erneut ohnmächtig wurde. Er starb zwei Stunden später. Die Gefängnisleitung informierte seine Frau per SMS über seinen Tod. Zeugen berichteten von Prellungen an der Rückseite seines Körpers.

Fans Familie versuchte am 13. September gemeinsam mit einem Anwalt und einem medizinischen Gutachter, im Gefängnis die Umstände seines Todes zu untersuchen. Sie baten darum, das Video der Überwachungskameras sehen zu dürfen, die laut offiziellen Angaben eingerichtet wurden, um Folter vorzubeugen. Das Gefängnis erklärte jedoch, solche Kameras niemals angebracht zu haben und Fan Zhenguo wurde innerhalb der nächsten zwei Stunden eingeäschert.


Frau Xie Zhiying, 52, Xinjiang

Name: Xie Zhiying (谢志英)
Geschlecht: Weiblich
Alter: 52
Beruf: Angestellte bei der Aksu Steuerbehörde
Jüngste Verhaftung: 2001
Jüngste Entlassung: Verstorben unter Hausarrest
Verstorben am: 6. August 2011
Provinz: Autonome Region Xinjiang
Stadt: Aksu
Zuletzt inhaftiert in: Psychiatrische Anstalt Alar (新疆阿拉尔精神病院)


Einzelheiten zu dem Fall:
Nach mehr als fünf Jahren Misshandlungen in psychiatrischen Krankenhäusern und in einem Zwangsarbeitslager wurde Xie Zhiying von ihrem Arbeitgeber auf Druck des örtlichen Büros 610 unter Einzelhausarrest gestellt. Sie starb ganz allein am 6. August 2011. Ihrer Familie wurde verweigert ihren Leichnam zu sehen, die genaue Todesursache bleibt unbekannt.

Als im Jahr 1999 die Verfolgung von Falun Gong begann, schickte die Steuerbehörde der Stadt Aksu seine Angestelle, Xie Zhiying, in das Psychiatrische Krankenhaus Alar. Obwohl sie völlig gesund war, kam sie zur „geschlossenen Behandlung". Ihr wurden Medikamente injiziert, sie wurde mit elektrischen Schlagstöcken gefoltert und in Einzelhaft gehalten.
Nach ihrer Entlassung ging sie nach Peking, um gegen die Verfolgung von Falun Gong und ihre Misshandlung zu protestieren. 2001 wurde sie festgenommen und die Sicherheitsabteilung der Stadt Aksu verurteilte sie ohne Gerichtsverfahren zu drei Jahren Zwangsarbeit im Zwangsarbeitslager Wulapo. Die Folter dort beinhaltete Elektroschocks und Schlafentzug, sie durfte nicht zur Toilette gehen und erhielt schwere Schläge von drogenabhängigen Häftlingen.

Xie wurde \[zwar] 2004 entlassen, aber erneut in der psychiatrischen Klinik Alar festgehalten. Einige Monate später wurde sie \[auch dort] entlassen, aber ihr Arbeitgeber und das Büro 610 hielten sie unter Hausarrest. Sie zwangen ihren Ehemann, woanders zu leben und eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung durch Monitore vereitelte allen Besuchern den Zugang, einschließlich ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrem Sohn.

Xies Mutter, Frau Yuan Jingyun, verklagte den Leiter des Büro 610 der Stadt Aksu, Bao Liqun, wegen des verweigerten Besuchsrechtes. Am 23. Juni 2011 durfte sie ihre Tochter in ihrem Haus besuchen. Xie konnte kaum sprechen und sie zitterte am ganzen Körper, offenbar aus Angst wegen der großen Präsenz der Polizei. Als Frau Yuan bat, die Nacht mit ihrer Tochter verbringen zu dürfen, ordnete das Büro 610 fünf Polizeibeamte zur Überwachung der beiden an, um zu verhindern, dass Frau Xie fliehen oder "ihre Mutter töten“ würde. In Wirklichkeit sollten sie wohl eher verhindern, dass die beiden Frauen meditieren oder die Falun Gong-Bücher lesen. Ihre Mutter praktiziert ebenfalls Falun Gong.

Nach diesem Besuch baten Frau Xies Mutter und ihr Bruder immer wieder darum, sie nochmals besuchen zu dürfen. Das Büro 610 verweigerte jedoch erneute Besuche, weil die Familienmitglieder sich weigerten, zu versprechen, keine Flugblätter über die Verfolgung von Falun Gong zu verteilen.

Am 6. August 2011 starb Xie Zhiying alleine und unter Hausarrest. Ihre Angehörigen durften sie nicht mehr sehen. Einzelheiten über die Umstände ihres Todes sind unbekannt. Als ihr Bruder, Xie Zhiming, sich an das Büro 610 der Stadt wendete, wurde ihm mitgeteilt: "Niemand mit dem Nachnamen Xie darf dieses Amt betreten".

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