Neues über Falun Dafa und die Menschenrechtssituation in China
Falun Dafa Informationszentrum

DAFOH: Organraub in China geht uns alle an - Organraub in China und der 24. Internationale Transplantationskongress in Berlin

Christian Watjen / The Epoch Times 20.07.2012

25.07.2012

BERLIN – Ein Engländer steht vor dem ICC in Berlin am dritten Tag des 24. Internationalen Transplantationskongresses. Er ist Chirurg und beobachtet eine Gruppe an einem Tisch mit Informationen über Organraub in China. Einige von ihnen teilen Flugblätter aus, während andere meditative Übungen praktizieren.

DAFOH-Forum gegen Organraub mit Ethan Gutmann, David Matas und Dr. Harold King.
Foto: Jason Wang / The Epoch Times



























Die spirituelle Gruppe Falun Gong protestiert gegen illegale Organentnahmen in China. Sie sagen, dass Zehntausende von ihren Praktizierenden dort für eine Entnahme ihrer Organe umgebracht wurden. Der Chirurg zeigt auf die Gruppe und sagt: „In den erfahrenen Kreisen der Transplantation wissen wir alle davon ... Aber wir sind nicht sicher, was wir dagegen tun können.“

Wäre der englische Herr zu einer Podiumsdiskussion gekommen, die in der Nähe stattfand, hätte er bestimmt ein paar Antworten gefunden. Die Organisation „Ärzte Gegen Erzwungene Organ Ernte“ (DAFOH, Doctors Against Forced Organ Harvesting) lud Experten für Mittwoch, den 18. Juli, ein, über illegale und unethische Organentnahme und Organerwerb in China zu sprechen.

„Wir müssen Stellung beziehen, sonst lösen wir unsere eigenen ethischen Prinzipien auf“, sagte Dr. Harold King, Zahnarzt und Mitglied von DAFOH aus Frankreich, der damit ein Dilemma für viele Ärzte beschrieb. Harold King sprach auch bei dem Forum.

DAFOH ist eine internationale Organisation, die von Ärzten verschiedener Fachrichtungen gegründet wurde und in Washington ihren Sitz hat. Das Ziel von DAFOH ist, alle illegalen Praktiken von Organhandel zu stoppen in China und in anderen Ländern. Da die Organisation keinen Platz im Konferenzzentrum bekommen hatte, angeblich wegen Platzmangel, musste das Forum auf einen Raum im Turm des nahegelegenen Senders RBB (RadioBerlinBrandenburg) ausweichen.

Die Forumsteilnehmer drückten vorsichtigen Optimismus aus, dass sich die weltweite Situation bezüglich illegaler Organentnahmen zum Besseren verändert, sogar innerhalb Chinas.

Arne Schwarz aus der Schweiz sprach über die Verwicklung pharmazeutischer Firmen.
Foto: Jason Wang / The Epoch Times






























Arne Schwarz ist ein IT-Fachmann aus der Schweiz und Experte in Recherche in medizinischer Literatur, speziell zu illegalen Transplantationspraktiken. Beim DAFOH-Forum berichtete er, wie auch westliche pharmazeutische Unternehmen mit in diese Verbrechen verwickelt sind.

Während es für manche noch immer umstritten ist, ob politische Gefangene in China als Quelle für Organe dienen, geben chinesische Behörden seit 2005 zu, dass bis zu 95 Prozent aller Organe von zum Tode Verurteilten kommen.

Arne Schwarz erinnerte das Publikum daran, dass die Weltgesundheitsorganisation für Organ Transplantation Freiwilligkeit und Transparenz als Prinzipien vorschreibt. Gemessen daran, können in China die Organe von Gefangenen nicht als freiwillig gespendet angesehen werden, und der Staat mit seinem kommunistischen Regime erlaubt keine unabhängige Untersuchung der Zustände vor Ort.

„Die ethische Glaubwürdigkeit der internationalen Transplantationsgemeinschaft steht auf dem Spiel“, sagt Schwarz, „falls sie keine Bemühungen unternimmt, dies zu stoppen.“

Arne Schwarz machte klar, dass es zwar in vielen Ländern illegalen Organhandel gibt, in China gibt es aber zwei bedeutende Unterschiede. Neben der hohen Anzahl der Organentnahmen ist China das einzige Land, wo diese illegalen Handlungen staatlich geduldet werden und die Militärkrankenhäuser sich damit finanzieren.

Er hat berechnet, dass zwischen 2004 und 2012 für Medikamententest 1.200 Fälle von Organtransplantationen mit der Beteiligung von westlichen oder japanischen Pharmafirmen durchgeführt wurden. Bei einigen Krankenhäusern gibt es Hinweise, dass dort auch Falun Gong-Praktizierende zu Tode gekommen sind.

Arne Schwarz fragte den Pharmariesen Roche im September 2009 nach der Quelle für die Organe für das Immunsuppressivum und gut verkaufte Medikament CellCept. Die Firma antwortete in einem Brief, dass „Roche nicht verantwortlich ist für die Versorgung mit Organen. Anonymität und Privatsphäre der Spender-Daten sind gesetzlich geschützt. Roche ist nicht berechtigt, die Quelle von transplantierten Organen zu erfahren.“

Schon im Jahr 2005 fragte ein Journalist des Handelsblatts den früheren Roche Geschäftsführer und heutigen Präsidenten des Verwaltungsrates Franz Humer, warum die Firma dieses Medikament in China testen lässt. „Im Gegensatz zu Japan gebe es in China keine ethischen oder kulturellen Hemmungen gegenüber der Transplantationsmedizin”, sei die Antwort gewesen, schrieb das Blatt.

Während Roche seine Studien inzwischen beendet hat, plant die kanadische Firma Isotechnika weitere in nächster Zukunft.

Dr. Harold King, Zahnarzt aus Frankreich, ist engagiertes Mitglied bei DAFOH.
Foto: Jason Wang / The Epoch Times




























Für Dr. Harold King aus Frankreich steht Organraub im „schrecklichen Widerspruch zu den Grundlagen der Medizin ... welche Leben retten soll.“

Er stellte heraus, dass China das einzige Land ist, wo jede Art von Organen für jede Blutgruppe innerhalb von zwei Wochen erhältlich ist.

Dr. King ist überzeugt, dass seit 2001 ein Großteil der Organe von politischen Häftlingen kommt, die nicht angeklagt und verurteilt sind. Die Mehrheit sind Falun Gong-Praktizierende. Sie gelten als besonders gesund und sind in den Arbeitslagern dem direkten Zugriff des Staates ausgesetzt.

„Die offizielle Erklärung der chinesischen Regierung ist nicht glaubwürdig“, sagte Dr. King, denn die Anzahl der Transplantationen in China übersteigt jedes Jahr weit die der Todesstrafen.

„Die schwerwiegenden Konsequenzen gehen uns alle an.“

Zum Beispiel könnte ein verzweifelter Patient aus Europa, der keine Chance hat, ein Organ zu Hause zu erhalten, nach China gelockt werden. Er würde sich nicht bewusst sein, dass er sich moralisch und eventuell strafrechtlich mitverantwortlich machen könnte für einen Mord.

David Matas aus Kanada veröffentlichte 2006 mit David Kilgour den ersten Report "Blutige Ernte".
Foto: Jason Wang / The Epoch Times




























David Matas ist ein international angesehener Menschenrechtsanwalt aus Kanada. Zusammen mit David Kilgour, einem ehemaligen kanadischen Abgeordneten und Staatssekretär für Asien-Pazifik, hat er die erste unabhängige Untersuchung über den Vorwurf des großangelegten Organraubs an Falun Gong-Praktizierenden durchgeführt. Der Bericht von 2006, der später als Buch „Blutige Ernte“ erschien, hat die Vorwürfe bestätigt.

Matas, der wie Kilgour für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, war der einzige Redner auf dem Internationalen Transplantationskongress, der einen Vortrag zu Chinas illegalen Organpraktiken hielt. Sonst schien es dort kein Thema zu sein.

Für ihn entstanden illegale Organentnahmen in China an der „Schnittfläche von Hass und Gier.“ So stellte er es auch auf dem DAFOH-Forum dar.

Staatliche Propaganda in China schürte den Hass gegenüber Falun Gong, einer unpolitischen Gruppe von Meditierenden, die nach den Prinzipien von Aufrichtigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz lebt. Die Gier wurde verstärkt durch die Reduzierung der staatlichen Finanzierung von Krankenhäusern, aber auch durch eine „einfache und geheim zugängliche Quelle von Organen", nachdem Falun Gong-Praktizierende zu Hundertausenden in Arbeitslagern saßen.

Matas sprach auch darüber, wie dieses Verbrechen beendet werden kann.

Er empfiehlt einen totalen Boykott von chinesischen Ärzten und der chinesischen Transplantationsmedizin, solange sich die Situation nicht gebessert hat.

Matas rät Medizinern, Patienten nicht ins Ausland, besonders nicht nach China zu überweisen und auch chinesische Chirurgen nicht auszubilden. Zusätzlich sollten chinesische Ärzte, die eine ethische Arbeitsweise nicht garantieren können, abgewiesen werden, und ihre wissenschaftliche Arbeit nicht anerkannt werden.

Das Bewerben von Organhandel im Internet sollte auch aufhören. David Matas entdeckte eine Webseite, wo 19 chinesische Krankenhäuser Nierentransplantate bewerben.

Vor kurzem hat Matas als Mitherausgeber ein neues Buch namens „State Organs“ (Staatsorgane) veröffentlicht. Es entstand in Zusammenarbeit mit 12 Autoren und präsentiert die neuesten Erkenntnisse. Vorerst nur auf Englisch*.

Dr. Jacob Lavee brachte in Israel neue Gesetze gegen Organtourismus in Gang.
Foto: Jason Wang / The Epoch Times






























Dass Veränderungen möglich sind, berichtete Dr. Jacob Lavee. Dr. Lavee ist Herzchirurg in Israel und Mitglied von DAFOH.

Dank seiner Bemühungen, über den Organraub in China aufzuklären, hat das israelische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das jegliche Art von Transplantations-Tourismus für Israelis verbietet. Noch entscheidender, es verhindert israelische Versicherungen, Organtransplantationen, die im Ausland vorgenommen wurden, zu bezahlen.

Seit 2008 ist kein einziger israelischer Patient nach China für Organe gereist, obwohl das zuvor eines der Hauptziele war.

Dr. Lavee weist auf weitere Fortschritte hin. Die meisten internationalen Transplantationsgesellschaften haben mittlerweile eine Bestimmung beschlossen, die jegliche Mitgliedschaft untersagt für jeden, der in illegale Organentnahmen verwickelt war. Zusätzlich wird ihre akademische Arbeit gebannt.

Das Ärzteblatt berichtete, dass für diesen Kongress die Forschungsarbeiten aus China besonders gründlich geprüft wurden und fast nur Grundlagenwissenschaften beinhalten.

Auch die meisten Transplantationsfachblätter akzeptieren keine Arbeiten mehr, die auf Daten aus China beruhen.

Ethan Gutmann deckt immer neue Fakten in China auf.
Foto: Jason Wang / The Epoch Times




























Ein weiterer Sprecher war Ethan Gutmann, Mitglied bei der Foundation for Defense of Democracies und Experte für Menschenrechtsverletzungen in China. Er ist Autor des preisgekrönten Buches „Losing the New China.“

Gutmann hat mehr als 30 Interviews mit Zeugen durchgeführt, die direkt oder indirekt in Organentnahmen verwickelt sind. Er nennt es „ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit.“

Ein angesehener Chirurg aus Taiwan hat Gutmann „mit einem nicht geringen Maße an Angst“ mitgeteilt, dass viele seiner Patienten in China Organe von Falun Gong-Praktizierenden erhalten haben.

Während es Anzeichen gibt, dass die illegalen Organentnahmen in China im Jahr 2006 ihren Höhepunkt erreicht hatten, sieht er noch kein Ende von diesem Missstand. Ethan Gutmann hat berechnet, dass mindestens 65.000 Falun Gong-Praktizierende bis 2008 für ihre Organe getötet wurden.

Gutmann war einer der ersten, die nachgewiesen haben, dass nicht nur Falun Gong, sondern auch Tibeter und Uiguren und einige christliche Gruppen Opfer geworden sind.

Er erwähnte, dass im November letzten Jahres die chinesischen Behörden angekündet haben, in drei bis vier Jahren China keine zum Tode Verurteilten zu Organspenden mehr zu nehmen, während die politischen Gefangenen nicht erwähnt werden.

Für Gutmann können nur die Opferfamilien China von dieser Last des Verbrechens befreien.

Organraub geht China etwas an.


Link: "Blutige Ernte"

* Zwischenzeitlich ist das Buch auch in deutscher Sprache erschienen: http://www.staatsorgane.org/shop/pi1/index.html

http://www.epochtimes.de/organraub-in-china-und-der-24-internationale-transplantationskongress-in-berlin--938203.html