Neues über Falun Dafa und die Menschenrechtssituation in China
Falun Dafa Informationszentrum

Chongqing/China: Leben eines inhaftierten Professors und seiner Frau in Gefahr

Pressemitteilung: 30.09.2012

Bo Xilais Erbe: Niederschlagung von Falun Gong geht mit unverminderter Härte weiter

Berlin /New York (FDI) – Pressemitteilung 1.10.2012 –  Der Gesundheitszustand des 37-jährigen Professors Tang Jian (汤 健) aus Chongqing hat sich lebensbedrohlich verschlechtert. Tang wurde aufgrund des Praktizierens von Falun Gong im Rahmen einer Verhaftungswelle in der chinesischen Stadt inhaftiert. Diese war auf Anweisung des ehemaligen hochrangigen KP-Politikers, Bo Xilai, erfolgt.
Herr Tang Jian vor seiner Inhaftierung

„Das in Ungnade gefallene frühere Politbüro-Mitglied, Bo Xilai, spielte lange Zeit eine sehr aktive Rolle bei der Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden, sei es in der Provinz Liaoning oder auch später in Chongqing“, sagt Levi Browde, Leiter des Falun Dafa-Informationszentrums in New York (Fakten zu Bo Xilai). Obwohl Bo keine öffentliche Funktion mehr innehat, ist sein Erbe der verschärften Verfolgung, das er im Südwesten Chinas begonnen hat, eindeutig weiter wirksam.“

Tang wurde am 1. November 2011 an seinem Arbeitsplatz an der Jiaotong-Universität in Chongqing entführt. Nach mehreren Monaten Haft wurde er im Februar 2012 vor Gericht gestellt. Laut Aussage seiner Frau sollte er aber freigelassen werden, weil keine Beweise gegen ihn vorlagen. Dennoch behielten ihn die Behörden weiter rechtswidrig im Gefängnis und verurteilten ihn am 16. März 2012 in einem Schauprozess zu drei Jahren Gefängnis.

„Das Urteil kam aus heiterem Himmel. Ich fühlte mich als ob der Himmel einstürzt. Jede Zelle in meinem Körper fühlte sich an, als ob sie auseinander gerissen würde,“ schrieb Tangs Frau in einem offenen Brief, der auf der chinesischsprachigen Minghui-Webseite veröffentlicht wurde (Offener Brief/ deutsche Übersetzung). „Jian hat gegen kein Gesetz verstoßen. Es ist absolut falsch, ihn zu verhaften und zu verurteilen.“

Tang wurde im Mai 2012 ins Yongchuan-Gefängnis verlegt. Seine Familie besuchte ihn am 17. Juni und nochmals am 9. Juli. Seine körperliche Verfassung hatte sich alarmierend verschlechtert: Er war mit Ausnahme seiner geschwollenen Füße fast bis aufs Skelett abgemagert und nach einem nur kurzen Gespräch außer Atem. Die Gefängnis-Beamten demütigten Tang, indem sie ihm verboten, Unterwäsche zu tragen und folterten ihn mit Schlafentzug.

Seine Familie befürchtet, dass er misshandelt wurde, weil er sich den „Umerziehungs“-Zwängen des Gefängnisses widersetzt hatte und sich weigerte seinen Glauben an Falun Gong zu widerrufen (mehr zum Thema „Umerziehung“). 

Das Drängen von Tangs Frau, Li Xiao (李 箫), auf ärztliche Behandlung wurde von den Gefängnisbeamten abgelehnt und sie drohten ihr darüber hinaus mit Inhaftierung. Am 18. Juli 2012 besuchte Li das Büro 610 im Bezirk South Bank, eine lokale Zweigniederlassung der eigens zur Verfolgung von Falun Gong eingerichteten Sonderbehörde der Kommunistischen Partei Chinas, die über dem Gesetz steht (mehr zum Büro 610). Auch dort wurde ihr Gesuch abgelehnt und ihr wurde erneut gedroht.


Li Xiao, die Ehefrau von Tang Jian
Angehörige berichten, dass die 32-Jährige am 24. Juli noch einmal in das Gefängnis ging um für ihren Mann eine ärztliche Behandlung zu verlangen. Seitdem ist sie verschwunden.

Li hatte von einer möglichen Beteiligung Bos an der erzwungenen Organentnahme an Falun Gong-Praktizierenden erfahren und große Angst um die Sicherheit ihres Mannes. Dass sie entführt wurde, während sie sich bei den Behörden für das einsetzte, was aus medizinischen Gründen eindeutig gerechtfertigt war, unterstreicht die Gesetzlosigkeit, die unter Bo gefördert wurde.

Breit angelegtes Durchgreifen in Chongqing


Die Verfolgung von Falun Gong wurde in der Region Chongqing im Jahr 2011 unter der Leitung von Bo Xilai, dem damaligen Mitglied des Politbüros intensiviert. Tangs Festnahme fand zu der Zeit statt, in der die Entführungen mit anschließender physischer und psychischer Folter in Gehirnwäsche-Zentren am stärksten waren. Eine Gehirnwäscheklasse, zu deren Teilnahme mindestens 28 Falun Gong-Praktizierende gezwungen wurden, ist Berichten zufolge in einer Sommerferienherberge im Bezirk Nan’an durchgeführt worden (Nachricht).

Junges Ehepaar über ein Jahrzehnt verfolgt

Li berichtet in ihrem Brief detailliert die Geschichte ihrer Familie einschließlich der Verfolgung in den letzten zehn Jahren (Bericht/eng.) Als junger Mann hatte Tang zahlreiche gesundheitliche Probleme, erlebte aber bemerkenswerte Verbesserungen nach dem Praktizieren von Falun Gong. Sein Praktizieren war in der Öffentlichkeit bekannt und die Southwest-Petroleum-Universität musste Tang nach Beginn der Verfolgung im Juli 1999 aus ihrem Doktoranden-Programm entlassen. Aufgrund seines hervorragenden Studienergebnisses machte die Universität jedoch eine Ausnahme und stellte ihn als Dozenten ein.

Tang verlor seine Anstellung als er im Jahr 2002 für das Praktizieren von Falun Gong für vier Jahre in einem Gefängnis inhaftiert wurde. Nach seiner Freilassung im Jahr 2006 bot ihm die Chongqing Filiale der ZTE Corporation trotz des Einstellungsverbotes für Falun Gong-Praktizierende eine Stellung an. Aufgrund der Zufriedenheit mit seiner Leistung hat die Firma sein Gehalt zweimal innerhalb von drei Jahren erhöht.

Auch Li wurde bereits aufgrund ihres Glaubens an Falun Gong verfolgt. Unter anderem wurde sie als 19-Jährige in einem Zwangsarbeitslager in Chongqing interniert und nach Folterungen wiederholt in Krankenhäuser eingeliefert. Möglicherweise wird sie jetzt wieder misshandelt.

Der Fall dieses Paares ist ein klassisches Beispiel für den von der Kommunistischen Partei Chinas durch die Verfolgung von Falun Gong erzeugten Braindrain im Land. Über die persönliche Tragödie von Tang und Li hinaus hat es tiefere Auswirkungen auf die Gesellschaft, wenn begabte Wissenschaftler, hochqualifizierte Fachkräfte und junge Leute wie sie eingesperrt werden, nur weil sie einen Glauben ausüben wollen, der ihnen Gesundheit und inneren Frieden gebracht hat.

Das Falun Dafa- Informationszentrum fordert die Behörden in Chongqing auf, Tang Jian und seine Frau Li Xiao freizulassen. Darüber hinaus fordern wir westliche Regierungsvertreter und Menschenrechtsgruppen auf, ihre Sorge um das Wohlergehen des Ehepaares zu äußern und dessen sofortige und bedingungslose Freilassung zu verlangen.


Kontaktdaten und Namen von Personen und Institutionen, die an der Verfolgung von Herrn Tang und seiner Frau beteiligt sind:

Yongchuan Gefängnis: +86-23-49890547 (Telefon); +86-23-49890547 (Fax)
Hu Maping, Direktor des Yongchuan Gefängnisses
Yang Liming, stellvertretender Gefängnis-Direktor
Zhao Youhua, stellvertretender Gefängnis-Direktor
Wang Dong, stellvertretender Gefängnis-Direktor (Polizeimarken-Nummer: 5016617)
Tang Jun, Gu Xiaolin, Zhou Qiang, und Chen Jusheng, Gefängniswärter der Abteilung Nr. 10 des Yongchuan Gefängnisses, in der Tang gefangen gehalten wird