Neues über Falun Dafa und die Menschenrechtssituation in China
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Neuer ausführlicher Unter­suchungs­bericht zur Transplantations­industrie in China enthüllt weitaus größeres Ausmaß an erzwungenen Organentnahmen als bisher angenommen

05.07.2016
Die Autoren des neuen Untersuchungsberichtes:
David Kilgour, David Matas und Ethan Gutmann (v.l.n.r.)

Ein neuer Unter­suchungs­bericht über die Organ­transplantations­industrie in China, aus dem hervorgeht, dass jedes Jahr weitaus mehr Gewissens­gefangene wegen ihrer Organe getötet wurden, als bisher selbst von NGOs angenommen, stößt auf großes Interesse im US-Kongress und dem Europäischen Parlament. Vollständiger Bericht unter http://www.endorganpillaging.org

Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann, der ehemalige kanadische Staatssekretär David Kilgour und der Menschenrechtsanwalt David Matas legten am 22. Juni 2016 in Washington und am 29. Juni in Brüssel einen neuen gemeinsamen Untersuchungsbericht mit dem Titel „Blutige Ernte / The Slaughter: Ein Update“ vor. Aus dieser 680 Seiten umfassenden Untersuchung, die sich auf zehn Jahre Ermittlungsarbeit stützt, geht hervor, dass Organraub an Gewissensgefangenen in China in weitaus größerem Ausmaß stattfindet, als bisher von Menschenrechtsorganisationen angenommen wurde. Der Organraub ist institutionell organisiert und geschieht unter der Beteiligung der Kommunistischen Partei Chinas, des Militärs und von chinesischen Regierungsorganisationen.

Kurz nach der Veröffentlichung bei einer Pressekonferenz am 22. Juni in Washington, DC wurden die Autoren am 23. Juni zu Anhörungen im US-Kongress und im Europäischen Parlament eingeladen. Bei der Vorstellung des Berichts in Brüssel dankte der tschechische Abgeordnete Thomas Zdechowsky den Autoren für den jahrelangen unermüdlichen Einsatz und kündigte an, sich für eine unabhängige Untersuchung der EU zu diesem Thema stark machen zu wollen. Sein Kollege Tunne Kelam aus Estland betonte, dass die Bürger in Europa eine Mitverantwortung trügen, der sie auch gerecht werden müssten. Möglicherweise reisten nämlich Hunderte Europäer nach China, um dort Organe zu bekommen. Der Organraub an Gewissensgefangenen in China untergrabe alle moralischen Werte, die die EU hochhalte. Seiner Ansicht nach müsste es EU-Bürgern nach dem Vorbild von Taiwan und Spanien gesetzlich verboten werden, für solche illegalen Transplantationen nach China zu reisen.

Dass Organraub an Gewissensgefangenen in der VR China stattfindet, stand bereits vor diesem neuen Bericht für viele Länder außer Frage; trotzdem war in dieser Hinsicht bisher wenig internationaler Druck zu beobachten. Auf die bisherigen Untersuchungen der Autoren zu diesem Thema und anderer, wie etwa der aktuell für den Friedensnobelpreis nominierten NGO DAFOH Doctors Against Forced Organ Harvesting (Ärzte gegen erzwungene Organentnahmen) haben in den vergangenen drei Jahren mehrere Parlamente als Reaktion hierauf Resolutionen verabschiedet. Erstmals wurde im Europäischen Parlament im Dezember 2013 eine Resolution angenommen. Der amerikanische Kongress nahm die House Resolution HR 343 am 13. Juni 2016 an. Länder wie Spanien, Israel und Taiwan haben bereits Gesetze erlassen, die den Organtourismus nach China unterbinden sollen. In Israel wurde zum Beispiel ein Gesetz erlassen, dass den Krankenkassen verbietet die Kosten für eine Transplantation in China zu übernehmen. In den USA wurden die Einreisebestimmungen dahingehend geändert, dass niemand mehr einreisen darf, der an erzwungenen Transplantationen von Organen und Geweben beteiligt war.

Die Autoren David Kilgour und David Matas, die für ihre Arbeit zu diesem Thema für den Friedensnobelpreis 2010 nominiert wurden, gingen bei früheren Berichten von den offiziellen Zahlen der chinesischen Regierung über die Anzahl der jährlichen Transplantationen in China aus. Dies war einer der Gründe für die Neuaufnahme der Untersuchungen.

Im neuen Bericht wurde unabhängig aufgeführt, wie viele Organtransplantationen wahrscheinlich durchgeführt wurden. Den Autoren zufolge liegt diese Zahl sehr weit über den offiziellen Angaben. Sie recherchierten die Daten in einzelnen Krankenhäusern, anstatt sich auf die Statistiken zu verlassen, denen sich in China häufig keine verlässlichen Daten entnehmen lassen. So werteten sie Telefonumfragen, Internetseiten der Krankenhäuser und medizinische Fachzeitschriften für alle 865 Krankenhäuser in China aus, die Organtransplantationen durchführen. Dies sind etwa 13 Prozent aller Krankenhäuser in China. Sie werteten ferner aus Medienberichten, Internetseiten der Regierung, aktuellen und archivierten Webseiten der Krankenhäuser und medizinischen Fachzeitschriften die Informationen über 712 Leber- und Nierentransplantationszentren aus. Überdies untersuchten sie detailliert 165 Krankenhäuser, die von der chinesischen Regierung eine Genehmigung zur Transplantation erhalten hatten und ermittelten deren Ausstattung, Qualifikationen, Einnahmen, potentielle Patientengruppen, Bettenzahl, Personal, Transplantationskapazität und -volumen, Forschungsprojekte, Beziehungen zu anderen Krankenhäusern und Dritten, Fördermittel, Patienten und Auszeichnungen. Mittels Telefonanrufen überprüften sie, ob aktuell in den Krankenhäusern Transplantationen durchgeführt werden und ob die Informationen, die zuvor gesammelt wurden, bestätigt werden können. Schließlich fassten sie die Regeln und Gesetze zu Organtransplantationen in China zusammen, beleuchteten die Entwicklung der Transplantationsmedizin in China und sammelten Informationen über das Militär und die zivilen Institutionen, die die Industrialisierung dieses Sektors ermöglichten. Diese gesammelten Erkenntnisse sind anhand der 229 Seiten umfassenden Quellenangaben im Einzelnen nachvollziehbar.

In ihrem neuen Bericht untersuchten die Autoren auch die Vertuschungs- und Desinformationsmethoden, derer sich das chinesische Regime bedient. Sie untersuchten ferner, welche Faktoren die hohen Transplantationszahlen ermöglichen, mit welch sträflichen Methoden die Organe beschafft werden, wer hierfür verantwortlich war und welche institutionelle Struktur hierfür entwickelt wurde. Im Weiteren gingen die Autoren seit ihren ersten Untersuchungen auf die tatsächlichen und angeblichen Änderungen des Transplantationssystems in China ein.

Im Bericht wurde keine genaue Opferzahl genannt. Vielmehr wurde eine Schätzung der jährlich in China transplantierten Organe ermittelt. Diese könnte sich auf 60.000 bis 100.000, ggf. aber auch auf das Doppelte belaufen. Somit gingen die Autoren von möglicherweise bis zu 1,5 Millionen Transplantationen in der untersuchten Periode von 15 Jahren aus. Dies entspricht dem Zehnfachen der offiziellen chinesischen Angaben. Der Großteil der hierfür verwendeten Organe stammt dem Bericht zufolge von Gewissensgefangenen, wie Uiguren, Tibetern, Haus-Christen und in erster Linie Falun Gong-Praktizierenden. Im Bericht wurde auch dargelegt, dass kein signifikanter Teil dieser Transplantationen von freiwilligen Spendern oder – wie immer wieder aus China behauptet wird – von hingerichteten Verbrechern stammen konnte. In den meisten Fällen wurde pro Operation nur ein Organ entnommen, weshalb man möglicherweise von einem Opfer pro Transplantation ausgehen muss.

„Die Schlussfolgerung dieses Updates und unserer ganzen bisherigen Arbeit ist, dass China Massenmord an Gewissensgefangenen begangen hat – in erster Linie an den spirituell orientierten Falun Gong – Praktizierenden (...) –, um Organe für Transplantationen zu beschaffen“, sagte Co-Autor David Matas bei der Vorstellung des Berichts im Washingtoner National Press Club.